Berliner Fintechs erhielten im Jahr 2024 rund 535 Mio. Euro Risikokapital, höchste Finanzierungssummen in Versicherung und Vermögensverwaltung.
Meiste Fintechs im Bereich Unternehmenssoftware (17 %) aktiv
Berlin bleibt die unangefochtene Fintech-Hauptstadt Deutschlands. Die Stadt bietet nicht nur die höchste Anzahl an Unternehmen und Beschäftigten in diesem Bereich, sondern verzeichnet auch die meisten Finanzierungsrunden. Eine heute von der Investitionsbank Berlin (IBB) veröffentlichte Studie zeigt, welche technologiegetriebenen Trends die aufstrebende Branche prägen und wie Berlin seine Führungsrolle weiter ausbauen kann.
Dr. Hinrich Holm, Vorsitzender des Vorstands der IBB: „Die fortschreitende Digitalisierung und der Einsatz moderner Technologien setzen neue Impulse in der Finanzbranche und eröffnen vielfältige Perspektiven. Fintechs entwickelten früh eine innovative und übersichtliche Angebotspalette auf Basis ihrer Technologiekompetenz. Gleichzeitig sehen sich die traditionellen Banken vor erheblichen Herausforderungen durch strengere regulatorische Anforderungen und die Notwendigkeit, althergebrachte Prozesse digital völlig neu zu denken. Mit gezielten Investitionen in zukunftsweisende Technologien und einer nachhaltigen Förderstrategie stärken wir Berlins Position als führende Fintech-Hauptstadt. Dazu zählt auch die Gründung des House of Finance & Tech (HoFT) in Zusammenarbeit mit der Berlin Finance Initiative, Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie sowie dem Land Berlin.“
Franziska Giffey, Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe: „Frankfurt am Main mag zwar die Hauptstadt des traditionellen Bankwesens sein, aber wenn es um die Zukunft geht, dann ist Berlin das Zentrum der deutschen Fintech-Szene. Wir arbeiten stetig daran, auch auf internationaler Ebene unseren Ruf als globalen Fintech-Hotspot weiter auszubauen. Fintech ist die Zukunft der Finanzbranche: digital, dynamisch und technologiegetrieben. Als Senat schaffen wir die Voraussetzungen, damit visionäre Unternehmen in Berlin beste Bedingungen vorfinden, wie beispielsweise mit unserem in Deutschland einzigartigen House of Finance & Tech. Berlin profitiert auf vielen Ebenen: durch neue Arbeitsplätze der Jungunternehmen, durch innovative Lösungen, die dem Mittelstand bei der Digitalisierung helfen und durch Angebote zu Finanzbildung und Vorsorge, die allen Berlinerinnen und Berlinern zugutekommen.“
Dr. Sebastian Schäfer, Geschäftsführer des HoFT.Berlin: „Berlin ist nicht nur Deutschlands führender Fintech-Standort, sondern auch ein Treiber für die nächste Generation skalierbarer Finanztechnologien. Mit dem House of Finance & Tech schaffen wir eine zentrale Plattform, die Fintech-Gründer, Investoren und Industrieexperten zusammenbringt, um gezielt Wachstumsbarrieren zu überwinden. Unser Fokus auf WealthTech und InvestTech stärkt Berlins Rolle als Innovationshub für die digitale Finanzwirtschaft.“
Dynamisches Wachstum und technologische Trends
Mit 189 aktiven Fintechs ist Berlin der mit Abstand bedeutendste Standort in Deutschland, gefolgt von München (62) und Frankfurt (52). Dabei sind die wachstumsstärksten Unternehmen mehrheitlich in Berlin angesiedelt: Von 32 Scale-ups (Unternehmensbewertung oberhalb 100 Mio. Euro) beheimatet die Bundeshauptstadt drei Viertel. Acht dieser dynamisch wachsenden Unternehmen aus Berlin haben in Finanzierungsrunden mehr als 100 Mio. Euro Risikokapital erhalten.
Besonders bemerkenswert ist die zunehmende Bedeutung von Unternehmenssoftware, die mittlerweile den größten Bereich innerhalb der Fintech-Szene ausmacht (16,9 % der Berliner Fintechs, verglichen mit 5 % im Jahr 2023). Darunter fallen beispielsweise Unternehmen, die spezialisierte Lösungen für digitale Zahlungsabwicklung oder Analyse- und Reportingtools entwickeln. Gründe für den Bedeutungsgewinn von Unternehmenssoftware sind unter anderem die steigende Komplexität regulatorischer Vorgaben sowie der wachsende Bedarf an digitalen und automatisierten Finanzlösungen.
Investitionen und Kooperationen
Trotz eines generellen Rückgangs der Risikokapitalfinanzierungen im Vergleich zum Rekordjahr 2021 bleibt Berlin der attraktivste Investitionsstandort für Fintechs. Im Jahr 2024 erhielten Berliner Fintechs rund 535 Mio. Euro an Risikokapital in 64 Finanzierungsrunden – mehr als in allen anderen deutschen Metropolen zusammen. Besonders Unternehmen aus den Bereichen Banking, Versicherung und Vermögensverwaltung profitieren von hohen Investitionssummen.
Allerdings benennen die IBB-Volkswirte auch Herausforderungen: Während in der frühen Pre-Seed-Phase strukturelle Förderlücken bestehen, fehlt es im Scale-up-Bereich an ausreichend großen Finanzierungsvolumina, um internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Ein stärkerer Risikokapitalmarkt sowie gezielte Förderprogramme könnten diese Lücke schließen.
Daher ist es vorbildlich, dass die Zusammenarbeit zwischen traditionellen Finanzinstituten und Fintechs weiter zunimmt. Initiativen wie das House of Finance & Tech fördern gezielt den Austausch zwischen Start-ups, etablierten Unternehmen und politischen Entscheidungsträgern.
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